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#1 by anonyme on 6. August 2009 - 15:03
Schöne Idee! Ich bin gespannt.
#2 by Lakeracer on 15. Oktober 2009 - 10:22
“Woher kommen neue Arbeitsplätze wenn unsterblich geglaubte Industrieunternehmen plötzlich verschwinden?”
Nie wieder aus der Industrie.
Die Innovationen der Vergangenheit und noch vor 20 Jahren waren Erfindungen aus der Industrie. Nicht zuletzt dadurch begründet sich der gute Ruf des dt. Maschinenbaus und der dt. Ingenieure. Beispiel hierfür wäre die Entwicklung des Automobils und die ständige Verbesserung um Innovationsführer zu bleiben. Doch je weiter wir dieses Produkt entwickeln, desto stärker sinkt des Grenznutzen jeder weiteren Verbesserung für den Verbraucher. Ob ich in 5,9s oder 5,6s von null auf 100km/h beschleunigen kann (siehe Entwicklung der Porsche Sportwagen: heute wesentlich mehr PS, aber die Leistungswerte sind in 30 Jahren kaum gestiegen (aber der Preis)) oder ob der PKW jetzt nur noch 6l anstatt 7l pro 100km verbraucht, begründen kaum die enormen Entwicklungskosten und werden wahrscheinlich nur noch aufgebracht um nicht hinter der Konkurrenz zurück zu bleiben.
Ein Aussterben in diesen Industrien oder eine Konsolidierung ist unausweichlich (siehe „Einheitsbrei“ heutiger Automobile).
Wo gibt es aber heute noch Innovationen? Sicher, auch in der Industrie. Aber wenn wir ehrlich sind, dann waren doch die bahnbrechensten Ideen: das Internet mit Ebay, Facebook, Google und Gadgets wie das Iphone u. Ä..
Ob wir diese Dinge wirklich (alle) brauchen mag bezweifelt werden, aber selbst der Verfasser dieses Kommentars muss zugeben ungern auf das Internet verzichten zu müssen.
Wir können aber ganz einfach herausfinden ob die Individuen diese Dinge wirklich brauchen in dem wir ihre Zahlungsbereitschaft überprüfen. Zumindest die Zahlungsbereitschaft für ein Iphone scheint sehr hoch zu sein, vor allem im Verhältnis zum zusätzlichen Nutzen. Auch mit einem fast kostenloses Mobilfunkgerät kann telefoniert und SMS geschrieben werden (nach wie vor die meist genutzten Funktionen eines Handys). Schnelles Internet ist stationär fast überall verfügbar. Dadurch ist der Zusatznutzen: Internet überall nutzen zu können, doch recht gering.
Wahrscheinlich handelt es sich beim Iphone um ein klassische Luxusgut, das vor allem von seinem Status lebt und gerade wegen dem hohen Preis diesen auch inne hat.
Das Beispiel Iphone mag zwar nicht ideal gewählt sein, aber im Endeffekt kann doch erkannt werden woraus Innovationen geschaffen oder gefordert werden.
Mit Innovationen möchte man sich von der Masse abheben. Entweder das Leben wirklich verbessern (mehr Nahrung, sauberes Wasser, Gesundheit, Menschenrechte, Sicherheit) oder einfach besser dastehen als der Nachbar („endlich der neue Turbo, gleich vor die Garage, damit die Nachbarn mein neues Auto sehen können“). Das zweite nenne ich Pseudo-Innovation.
Sobald eine Gesellschaft ein großes Maß an wirklichen Innovationen erreicht hat (Industrienation), werden die zukünftigen Innovationen zu Pseudo-Innovationen (neues Iphone). Oder sollten wir versuchen unser Trinkwasser noch sauberer zu machen? Wie schnell hätten wir saubere Energiegewinnung, sollten plötzlich alle herkömmlichen Kraftwerke ausfallen.
Leider muss ich zu folgendem Fazit kommen:
In solch einer Gesellschaft kann Innovation nur noch durch einen starken Zwang entstehen (siehe die Kreativität des Bundesbürger bei der „Steuervermeidung). Die einzige Hoffnung darin ist, dass dieser Zwang auch rein ein Individuum betreffen kann. Sollte Barack Obama plötzlich den Zwang verspüren die Lebensumstände in Afrika zu verbessern, dann bin ich überzeugt, dass er sehr viel erreichen kann.
#3 by simon schnetzer on 18. Oktober 2009 - 04:10
Lieber Lakeracer,
vielen Dank für den ausführlichen Kommentar und deine Ideen zu Innovation, das Thema über das ich mir gerade den Kopf zerbreche. Die Fragen die du aufwirfst finden sehr klare Antworten im Innovationsbericht des DIW für 2008. Die Offenheit der Deutschen für Innovationen ist hoch, die deutsche Innovationsfähigkeit insgesamt ist schlechtes Mittelfeld. Das Hauptproblem sehen die Autoren in den Problemen der Bildungslandschaft Deutschlands.
Deinem Fazit, dass Innovation nur aus Zwang entstehen kann, möchte ich mich nicht anschließen. Ich denke eher, dass Motivation und Information einen Wandel der Wahrnehmung herbeiführen können. Doch dieses Thema wird unter gruendergeist.eu weiter diskutiert werden. In jedem Falle wird Innovation und der wirtschaftliche Wandel die Verantwortung aller sein, nicht die des US-amerikanischen Präsidenten, auch nicht wenn er Obama heißt.
Ob wir all die neuen Produkte und Dienstleistungen benötigen, sei dahingestellt. Aber wenn sie nachgefragt werden, begrüße ich es, wenn es deutsche Unternehmen sind, die sie bereitstellen. Und dafür benötigen wir mehr Motivation, Verantwortungsbewusstsein für die Gesellschaft, und mehr Gründergeist.
Simon Schnetzer
#4 by urquelle on 28. Oktober 2009 - 11:24
Lieber Simon!
Lieber Lakeracer!
Ich bin nicht ganz einverstanden. Ich bin sehr wohl für die Innovation und den Fortschritt. Und auch, wenn dadurch das saubere Wasser nicht noch sauberer wird, durch die Innovation bekommt unser Leben in einem anderen Bereich eine höhere Qualität.
Ich muss an die Zeiten denken, als jede große Innovation ausgelacht war, sei es damals ein Rad, ein Auto, ein Flugzeug gewesen. Ich kenne viele Leute, die das neue Concept Car von BMW – Gina (das Auto gebaut aus einem leichten Stoff – Lycra http://www.youtube.com/watch?v=EP6wOrdtxvY) – auslachen. Ich dagegen finde es richtig cool, richtig gut, dass BMW die Forschung anstrengt und sich in den unterschiedlichsten Bereichen weiter entwickelt. Vielleicht werden die Kinder in Afrika nicht satt davon, aber die Erkenntnisse, die die Menschheit dadurch gewinnt, bringt sie früher oder später weiter. Ich dagegen kümmere mich um die Kinder in Afrika.
Ich will nicht viel kritisieren, was alles in Deutschland oder anderen Ländern läuft und was nicht. Ich würde sagen, es wäre cool, wenn die Leute zur Innovation, zu Entdeckungen bewegt und motiviert werden.
Was das Gründergeist Deutschland angeht – den Beitrag, den ich vor paar Wochen hier gepostet habe, werde ich hier wieder posten.
Mit großer Achtung an alle, die diese Beiträge lesen und sich an der Diskussion beteiligen.
Liebe Grüße
Polina V.
#5 by urquelle on 28. Oktober 2009 - 11:28
Lieber Simon!
Du hast mir aus der Seele gesprochen, als Du Deinen Beitrag geschrieben hast. Ich bin vollkommen Deiner Meinung, was unsere Trägheit betrifft. Und ohne sie bei jemand anderem zu suchen, habe ich diese schon längst bei mir festgestellt.
Du bringst ein Beispiel aus Argentinien. Ich habe ein Beispiel aus der Ukraine. Seit dem das Land unabhängig geworden ist, sind tausende Geschäfte aus dem nix entstanden. Schlaue Leute haben sich damals organisiert und heute kannst du deren Erfolg mehr als nur sehen. Diese Gründungslust vergeht auch heute nicht. Wirtschaftskrise hat die Ukraine, wie kein anderes Land, betroffen. Und gerade bei einer schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage, wenn es keine Stabilität gibt, wenn die Preise um 50% über Nacht angehoben werden, wenn man keinen „Kündigungs-„ oder ähnlichen Schutz genießt, bleibt den Leuten nichts anderes übrig, als ein eigenes Unternehmen zu gründen.
Deswegen sehe ich, genau so wie du, die Krise als eine Chance uns aufzurappeln und weiterzukommen, als eine Chance die Erfindungen und Innovationen zu „erzwingen“, als eine Chance alte Lasten abzuwerfen und die Unternehmen selbstständig und effizient funktionieren lassen, ohne jegliche Staatshilfe.
Allerdings bin ich der Meinung, dass es eine unausweichliche Situation geben soll, dass jeder, der sich in dieser Situation vorfindet, Mut findet eine Neugründung zu erwägen.
Und das meine ich nicht rhetorisch, das meine ich richtig ernst. Wenn ich noch vor paar Jahren mir eine Idee gewünscht habe, die die Welt verbessert, so haben sich die Zeiten geändert und damit auch ich. Heute sitze ich an einem Heft mit ein paar Ideen (die nicht in die Kategorie „Welt verbessernd“ fallen), die vielleicht ein Potenzial hätten ein Unternehmen zu gründen. Aber das tue ich nicht. Vielleicht noch nicht. Die Ideen sind noch nicht reif und der Mut ist noch nicht da……
Polina
#6 by stirzel on 15. November 2009 - 15:03
1. Innovation = Idee (Patent,wissenschaftliche Vorarbeit) + Umsetzung(Produkt)
2. an Ideen hat es in Deutschland traditionell noch nie gemangelt, Zahl der Patentanmeldungen und Quantität und Qualität der Ideen sind absolute Weltspitze! Ideenfindungsförderungen oder ähnliche Maßnahmen stoßen daher lediglich offene Türen ein, die eingesetzten Mittel verpuffen zwangsläufig
3. das Problem mangelnder Innovationen liegt in der mangelnden Chance zur Umsetzung. Private Akteure ziehen sich aus unternehmerischem Risiko/unternehmerischer Betätigung zurück, daher können nur noch staatlich geförderte Projekte den Schritt von Seed zu Startup überwinden. Dabei fallen die meisten Ideen unverwirklicht “hinten runter”
4. größere Investitionen in Strukturen bringen meist nur mehr “Versickerung”, FuE-Förderungen sind meist reine Mittelverbrennungsmaßnahmen, auch wenn sie “gut gemeint” waren
5. die Bedingungen für “kleine” Akteure (also weder Spin-Off einer Hochschule oder eines Konzerns, noch sonst Möglichkeiten zur ausreichenden Finanzierung für die Beantragung von Fördermitteln) sind ungünstig: allein die Kosten für Patentanmeldungen (in Konzernen z.B. kein Thema) “schützen” die bestehenden Märkte vor innovativen Newcomern.
Dies führt mittelfristig dazu, dass viele mögliche Umsetzungen liegenbleiben, dass wenig Bewegung in die Märkte kommt, aber auch mittelfristig diese Bewegung zwangsläufig von ausländischen Wettbewerbern in den Markt getragen wird. Korporatistische Unternehmensförderansätze schaden dieser Volkswirtschaft.
…daher bin ich mit diesem zunächst “gut gemeinten” Statement nicht ganz glücklich, weil durch die Vernebelung und den “befohlenen Optimismus” tatsächliche Mißstände ausgeblendet werden sollen, unter dem Beifall vieler “Gutmeinender”.
Die Wahrheit zu sagen, würde hier nicht schaden. Denn nur dann gäbe es eine Chance darauf, tatsächlich die Rahmenbedingungen zum Besseren zu wenden.
#7 by stirzel on 15. November 2009 - 13:41
Und welche dieser Initiativen dient nicht als ABM-Maßnahme, sondern bringt tatsächlich einen Wert für Innovatoren (damit mein ich die, die die meisten Informationen bereits im Netz selbst recherchieren können und “echte” Hilfe gerne angenommen hätten)?
So lässt sich nur der Bildungsmangel selbstverwalten. Fromme Sprüche (”es gibt da tolle Beratung, die aus öffentlicher Hand gefördert wird”) alleine helfen nicht. Gefragt wären private Akteure, die sich aber scheuen, ins Risiko zu gehen. Deshalb kann hier eigentlich praktisch nichts stattfinden ohne Staatshilfe. Für die müssen aber die Projekte so gepresst werden, dass sie ins Förderförmchen passen. Gut sind hingegen Programme wie die Innovationsgutscheine, aber das ist ein Tropfen auf den heißen Stein und höchstens für Kleinprojekte interessant (wer, der schonmal einen Prototypen entwickelt hat, und die Realität kennt, kennt einen Ingenieur, der für ein paar Kröten seinen Rechner hochfährt, oder sogar ein Entwicklungsprojekt für einen einstelligen EUR-Betrag annehmen würde, wenn über Drittmittel und Staatsprojektförderungen minimal sechsstellige Bedarfsummen herrschen?)
Es geht hier einiges, und die Leute sind nicht dumm, es gibt tatsächlich einige Innovatoren, die gerne etwas bewegen würden. Das derzeitige Umfeld fördert jedoch hauptsächlich Etablierte, die eigentlich bereits keiner weiteren Hilfestellung bedürften. So bleibt nur der Umweg, den die meisten Innovationen, die tatsächlich zur Umsetzung kommen, gehen. Um dieses Land herum. Trotzdem ist Deutschland und auch die EU ein schöner Absatzmarkt für innovative Produkte. Man soll ja auch optimistisch denken und immer das Positive sehen…
#8 by stirzel on 15. November 2009 - 15:08
“Besonders kreativ klingende Veranstaltungen sind zum Beispiel [...]“
*lol*
Wenn ich Berater wäre (und auf Opfersuche), ich würde glatt hingehn! ^^
#9 by admin on 27. November 2009 - 02:40
Vielen Dank für die ausführliche Kommentierung der sämtlichen Seiten.
Du scheinst mit Xeem international schon so einiges an Erfahrunge gesammelt zu haben. Wie wäre es mit
1, der Empfehlung guter Förderprojekte im In- oder Ausland
2, und die Anregung an die deutsche öffentliche Hand bzgl. Änderungsbedarf (Innovationsgutscheine ausbauen etc.?).
#10 by Brigitta on 31. Dezember 2009 - 07:19
hallo simon, weiss nicht wo du gerade herum”geisterst”, aber sicher kein zufall, dass ich am 31.12.2009, meinem letzten arbeitstag in lima, endlich mal bei dir hier vorbeischaue…gefällt mir hier, komme wieder vorbei! bin selbst noch unsicher, ob ich meinem gründergeist vertrauen soll oder selbigen lieber in der flasche lassen
immerhin habe ich einen ersten schritt gemacht, so wie du: http://www.brigitta-villaronga.net, http://www.villaronga.de und unter twitter.com/brigadita…
guten rutsch in ein neues jahrzehnt voller gründergeist(er) und nun erst mal auf den geist aus der sylvesterlichen champagnerflasche…salut!
lass von dir hören im neuen jahr!
deine brigitta