Emanzipiert und ziellos gehen viele Jugendliche und junge Erwachsene durchs Leben. Sie sind frei von familiären Zwängen und zu bequem um Risiken einzugehen. Wer wird unsere Institutionen fit machen für die Zukunft und neue Arbeitsplätze schaffen, wenn der jungen Generation in Deutschland Gründergeist fehlt?
Die meisten von uns gehen einer Arbeit nach in der Ziele wie von anonymer Hand bestimmt sind. Und die Zufriedenheit über das Erreichte in unserer Arbeit verliert sich häufig in der Abstraktion vom Kern des Wesens. Noch unzufriedener sind Arbeitswillige, die trotz Ausbildung keine Beschäftigung finden. Das Resultat ist eine Gesellschaft, in der Depressionen zur Mode verkommen. Wir sind emanzipiert und eigentlich frei von jeglichen familiären oder gesellschaftlichen Vorgaben für unsere Zukunft. Aber haben wir noch die Freiheit zu tun was uns glücklich macht? Oder besitzen wir zuviel Freiheit und verlieren uns in einem Überangebot an Möglichkeiten?
Vieles ist gut, was wir geschaffen haben. Verzeihung, ich sollte sagen, was unsere Väter und Vorväter seit der Nachkriegszeit geschaffen haben. Wir leben in Frieden mit unseren Nachbarländern, es herrscht Recht und Ordnung, und die Regierung wird demokratisch gewählt. Internationale Beziehungen interessieren viele, aber nationale Politik scheint aus der Mode gekommen zu sein.
Haben wir, die Generation 20-35 jähriger, in unserem Leben schon etwas vollbracht? Wird von uns erwartet, dass wir etwas Neues schaffen? Das Bildungssystem ist daran ausgerichtet etablierte Institutionen und Strukturen aufrecht zu erhalten. Ein kritischer Standpunkt, der die Grundfesten und Institutionen unserer Gesellschaft in Frage stellt, ist für uns nicht vorgesehen. Hochschulstudiengänge machen uns zu qualifizierten Arbeitnehmern. Ausnahmen dazu gibt es, doch die finden sich in der Regel nur in der Informatik oder den Ingenieurswissenschaften, die Hoffnungsträger für den schwächelnden Arbeitsmarkt. Was ist mit den vielen Studenten der Sozial- oder Naturwissenschaften?
Bis auf Lebenskosten und Semesterbeitrag wird das Studium komplett aus Steuergeldern finanziert. Erwartungen der Gesellschaft an den akademischen Nachwuchs wären also berechtigt. Doch wir werden nicht aus der Unmündigkeit entlassen. Wir werden ermutigt eine geregelte Anstellung und gesichertes Auskommen anzustreben. Wo bleibt der Raum und die Förderung für innovatives Denken und eigenverantwortliches Handeln?
Zu viel Fürsorge hält Kinder in Abhängigkeit. In Ländern wie Argentinien, in denen die Bevölkerung nicht an eine umsorgende Allmacht des Staats glaubt, wird, bei vergleichsweise schlechteren institutionellen Voraussetzungen, deutlich mehr Gründungsaktivität verzeichnet. Aber es sollte nicht erst die Not sein, die uns erfinderisch werden lässt. Es sind gut überlegte Unternehmensgründungen, und selten aus der Not geborene Existenzgründungen, die zu einer Überholung der wirtschaftlichen Strukturen und Beschäftigungsmöglichkeiten beitragen.
Was bringt die Zukunft?
Die Wirtschaftskrise hat einen Vorteil: Sie erlaubt es, dass Fragen gestellt werden. Fragen, die in Zeiten geringer Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung tabuisiert werden: Können wir nicht noch mehr, als zu versuchen einen Status Quo um jeden Preis zu erhalten? Woher kommen neue Arbeitsplätze wenn unsterblich geglaubte Industrieunternehmen plötzlich verschwinden? Wie werden sich die Strukturen in den nächsten zehn bis fünfzig Jahren verändern und mit welchen Auswirkungen auf die Bevölkerung? Wie können wir einen Gesinnungswandel herbeiführen und junge Menschen dafür interessieren und ermutigen die Umsetzung ihrer Ideen in Gründungen als erstrebenswertes Ziel zu verfolgen?
Gründungswillige werden in Deutschland großzügig unterstützt, durch Förderprogramme, Coaching, Trainingskurse und mit finanziellen Mitteln. Doch wer sind die Gründungswilligen, wenn Selbständigkeit, Mut zu Risiko und Unternehmertum in dem Zielstreben der jungen Generation zwischen Namen wie BMW, Außenministerium, Google oder KPMG keinen Platz haben?
Mehr Ideen, die um bestehende Fördermöglichkeiten konkurrieren, werden in mehr zukunftsfähigen Arbeitsplätzen resultieren. Gründer zu werden, soll keine Frage elitärer Herkunft sein. Schulen und Hochschulen sollten umfassend Gründergeist und Grundlagen des Unternehmertums als Pflichtbestandteil in die Lehrpläne integrieren. Das wäre ein Anfang.
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