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  im Markt weht rauher Wind - nicht einfach für Neulinge

im Markt weht rauher Wind, nicht einfach für Neulinge

Dieser Beitrag ist dem Thema „Illusionen über Unternehmertum“ gewidmet und ist Teil einer Serie, in der Studien und Berichte über Gründergeist/er vorgestellt werden. Grundlage für den Beitrag ist ein Vortrag von Scott Shane, dem Autor des 2008 erschienen Buchs* „Illusions of Entrepreneurship: The Costly Myths that Entrepreneurs, Investors and Policy Makers Live By“. In seinem Vortrag* bei der Entgegennahme des Global Award for Entrepreneurship Research 2009, rechnet der Preisträger mit dem weit verbreiteten Irrglauben ab, dass ein Mehr an Unternehmensgründungen automatisch gut für die Wirtschaft sei.


Politiker in Europa und den USA wiegen sich gerne in dem Glauben, dass durch mehr Unternehmensgründungen innovative Unternehmen entstehen und viele Arbeitsplätze geschaffen werden. Das ist weit gefehlt, wenn man bedenkt, dass die meisten Unternehmensneugründungen eine Lebenserwartung von weniger als fünf Jahren haben und weniger innovativ und produktiv als bestehende Unternehmen sind. Es ist unmöglich, schon im Vorfeld einer Gründung deren Erfolg abzusehen, doch man könnte eindeutigere Erfolgsindikatoren bei der Mittelvergabe berücksichtigen.

Die Illusion vom Wirtschaftswachstum

Die gute Nachricht vorweg: es gibt noch erfolgreiche Neugründungen. Die schlechte Nachricht: davon gibt es nicht viele. Eine Querschnittsanalyse über 34 Länder hat gezeigt, dass Unternehmen zwischen 1998 und 2003 für den Start im Durchschnitt 11.400 US$ benötigten. Doch mit dieser Kapitalausstattung kann man nicht erwarten, dass Branchenriesen wie Google, SAP oder RYANAIR entstehen.

Die Politik stellt sich häufig selbst ein Bein, indem öffentliche Gründungsförderungen vornehmlich in Sektoren mit hohem Wettbewerb und niedrigen Markteintrittsbarrieren bereitgestellt werden. Eine hohe Misserfolgsquote ist dabei vorprogrammiert, denn neue Unternehmen setzen ihre Ressourcen schlechter ein als erfahrene Konkurrenten. Um sich im Wettbewerb zu behaupten, müssen sie innovativ und produktiver als die Konkurrenz sein. Das ist für Branchenneulinge eine große Herausforderung, besonders wenn sie, wie viele, aus der Arbeitslosigkeit heraus gegründet werden. Die erfolgreichsten Gründer sind jene, die ihre Beschäftigung in einem bestimmten Sektor aufgeben, um sich mit einer Idee in demselben Sektor selbständig zu machen.

Es ist statistisch nachgewiesen, dass Länder bei zunehmendem Wohlstand eine Abnahme der Neugründungen verzeichnen. Das erklärt sich durch steigende Durchschnittslöhne und bessere Beschäftigungsmöglichkeiten, die gleichzeitig den Anreiz reduzieren, das Risiko der Selbständigkeit einzugehen. In den USA, ähnlich wie in anderen OECD Mitgliedstaaten, sank die Rate der selbständig Beschäftigten zwischen 1948 und 2003 von 12 auf 7,5 Prozent.

Die Illusion von der Arbeitsschaffung

Es sind nicht junge Unternehmen die neue Arbeitsplätze schaffen. Nicht einmal zehn Prozent der in den USA und in Schweden jährlich geschaffenen Arbeitsplätze entstehen durch Firmengründungen. Und die meisten der so geschaffenen Stellen überdauern keine zwei oder drei Jahre. In den USA bedarf es 43 Gründungen, damit über die Dauer von zehn Jahren ein Unternehmen zumindest einen Beschäftigten (im Schnitt sind es dann neun) hält. Problematisch für Beschäftigte von jungen Unternehmen ist, dass der Arbeitsplatz unsicher ist und Lohn und Zusatzleistungen schlechter sind als bei der etablierten Konkurrenz.

Die Lösung für die Politik

Der Autor empfiehlt der Politik, einen klaren Schnitt mit der bisherigen Gründungsförderung zu machen: man muss aufhören jede Gründung zu fördern und sich stattdessen auf Gründungen mit Wachstumspotential konzentrieren. Identifizieren lassen sich Unternehmen mit Wachstumspotential gut daran, wie sie finanziert werden. Besonders erfolgreich entwickeln sich mit Risikokapital finanzierte Unternehmen. Das sind in den USA von jährlich zwei Millionen Neugründungen im Schnitt nur 820. Eine weitere Maßnahme für die Schaffung neuer Arbeitsplätze ist die Bereitstellung von mehr Geld für kommerziell nutzbare Forschung und Entwicklung, speziell auch für kleinere Unternehmen.

Was der Autor davon hält, dass der deutsche Staat jährlich zwölf Milliarden Euro ausgibt um Arbeitslose zu Unternehmern zu machen? Nicht viel, denn als Ergebnis der Investition gibt es viele Kleinstunternehmen mit wenig Wachstumsperspektive und hoher Ausfallquote.

Bedeutung für das Forum für Gründergeist

Die Aussagen des Artikels spielen eine wichtige Rolle für weitere Diskussionen in dem Forum für Gründergeist. Scott Shane belegt eindrucksvoll das Versagen der Denkweise, dass jegliches unternehmerisches Handeln für die Gesellschaft wertvoll und förderungswürdig ist. Um herkömmliche Gründerförderung durch bessere abzulösen, gilt es noch einige Fragen zu beantworten:

  • Welche Rolle hat der Staat: muss der Staat Gründungen mitfinanzieren, oder sich auf Beratung beschränken, um den Wert von Ideen und Innovationen für die Gesellschaft zu maximieren?
  • Was können wir von Risikokapitalgebern lernen: soll der Staat dieselben Förderkriterien anlegen wie Risikokapitalgeber?
  • Reichen vorhandene Fördermöglichkeiten aus: gibt es genug Risikokapital für aussichtsreiche Unternehmensgründer?

Gewiss, Deutschland sollte nicht jeden willigen Unternehmensgründer finanziell unterstützen, aber es sollte fördern, dass jeder mit einer Idee sich als potentieller Gründer versteht und bereit fühlt diese in die Tat umzusetzen.

Quellen des Beitrags:

* Scott A. Shane (2009): Why encouraging more people to become entrepreneurs is bad public policy. Small Business Economics (2009) 33: 141-149.
>> Der Link zum Herunterladen

* Scott A. Shane (2008), Yale University Press: The Illusions of Entrepreneurship: The Costly Myths That Entrepreneurs, Investors, and Policy Makers Live By.
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